Info Station Siemensstadt.
Historie.

Dieser wunderschöne, ehemalige Ladenbau von 1930 des Bauhaus-Architekten Fred Forbát ist im Jahre 2011 nach aufwendiger, denkmalgerechter Sanierung wiedereröffnet worden.
Der Name „Info Station Siemensstadt“ wurde geprägt.

Er steht nicht nur unter Denkmalschutz, sondern ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbe „Siedlungen der Berliner Moderne – Großsiedlung Siemensstadt / Ringsiedlung Siemensstadt“.

Nach der Eröffnung wurden zwei Jahre lang ein paar Nutzungskonzepte ausprobiert, dann lag dieses wundervolle Bauwerk für weitere zwei Jahre brach.

Erst dem Fotografen Christian Fessel gelang es, dem Gebäude einen äußerst soliden Grad an Bekanntheit und an Besuchszahlen in nur knapp fünf Jahren seit 2015 zu verschaffen.

Der Internetauftritt und die Social-Media-Präsenz wurden gleich zu Beginn ins Leben gerufen und mit reichlich Klicks belohnt.

Zunächst unter dem Namen „Infostation – Der Schauraum für Fotografie“ hat der ehemalige Ladenbau ein Leben eingehaucht bekommen. Ausstellungen konnten durch das in Eigeninitiative ausgebaute Untergeschoss nun auf zwei Etagen stattfinden.

Später kamen hochwertige Vorträge, Lesungen und Konzerte hinzu.

Ausgehend von den Erfahrungen der PhotoWalks und Führungen andernorts, ist hier im Mai 2019 die Idee zu „Mann mit Hut Touren“ geboren worden.

Regelmäßige Öffnungszeiten wurden ehrenamtlich von Christian Fessel (als „Mann mit Hut Touren„) sichergestellt. Erstmals war der Ladenbau nun auch jährlich zum „Tag des offenen Denkmals“ geöffnet. Angebote, die gerne angenommen wurden.

Auch die Ursprungsidee der „Info Station Siemensstadt“, als Informationsstelle für das Welterbe zu dienen, funktionierte jetzt endlich.

"Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung."
Oskar Wilde​

Diese spannende und sehr erfolgreiche Zeit hat nun ein Ende gefunden.
Für die reale Info Station Siemensstadt (also das Bauwerk), gibt es neue Pläne. Sie führt ab September 2020 ein Eigenleben, auf das ich keinen Einfluss mehr habe.
Das sehr gesunde Fundament wurde von mir gelegt, eine Fortführung des Erfolges sollte damit fast schon garantiert sein.

Hier im Internet wird die Infostation-Siemensstadt.de mit dieser Webpräsenz virtuell weiter existieren.
Nach und nach soll es hier Informationen zur Ringsiedlung Siemensstadt, zu der Siemensstadt selbst und natürlich auch zu Charlottenburg-Nord geben.

Die Aktivität im Foto- und Filmbereich von Christian Fessel besteht weiterhin ungebrochen.
Der Fokus von Mann mit Hut Touren konzentriert sich nun auf die von mir initiierten und gut besuchten, regelmäßigen Führungen und Architekturführungen durch ebendieses Welterbe „Ringsiedlung Siemensstadt“, die Siemensstadt selbst und sogar Charlottenburg-Nord. Selbstverständlich, weiterhin ebenso auf andere Berliner Themen, sowie Venedig und London.
Und auf die Erstellung von Bildbänden.
Und: auf eine neue Aufgabe …

Industriekultur und Industrieromantik, Architektur, Baukultur in Wort und Bild.
Für Laien und Fachbesucher.

Und natürlich gilt weiterhin:
Bei meinen Stadtführungen werden sowohl historische als auch gesellschaftliche Aspekte thematisiert.
Nicht trocken, langweilig und vollgestopft mit Zahlen, sondern locker, unterhaltsam und interessant für alle.
 
Ich freue mich – wenn auch mit einem weinenden Auge – darauf.

Der damalige Stadtbaudirektor Martin Wagner war der Vorreiter von vielen Bauten in Berlin. Bauten, die heute noch zu sehen sind, vor Allem aber Bauten, die bis heute Ihren Dienst versehen, die „nützlich“ sind. Beispielhaft sei das Berliner Messegelände erwähnt. Seine große Zeit war während der Weimarer Republik. Eine Zeit des dramatischen Wandels in allen Bereichen. 1918, fast über Nacht wurde aus einer Monarchie eine Republik. Ein Sytemwechsel um 180 Grad, der auch nicht sonderlich geradlinig verlief. In den Folgejahren sollte das deutsche Volk seinen ökonomisch (bis heute?) tiefsten Fall erleben: Die Hyperinflation. Wenig später dann für kurze Zeit fast 100% Vollbeschäftigung. Die „swinging 20s“ oder auch „Die goldenen 20er Jahre“ genannt begannen. Fotografien aus dieser Zeit sind erhalten: Die Nachtclubs und Varietés, das leichte Leben, der Genuss. Der Film „Cabaret“ machte Liza Minelli in der Rolle der Sally Bowles berühmt. Der Film spielt im Berlin dieser goldenen 20er. Vor Allem zeigt er die, nicht ganz so glamouröse, Realität.

Die sechs denkmalgeschützten Siedlungen repräsentieren einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und übten in der Folgezeit beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau aus. Zum Welterbe zählen diese sechs repräsentativen Wohnhaussiedlungen: Die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Großsiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Großsiedlung Siemensstadt, auch Ringsiedlung Siemensstadt genannt. Die sechs Siedlungen entstanden in den Jahren 1913 bis 1934, zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Machtantritt der Nationalsozialisten.
Architekten der klassischen Moderne gaben auf höchstem Niveau eine städtebauliche und architektonische Antwort auf die Wohnungsfrage der Kaiserzeit: Rationell geschnittene, modern ausgestattete und bezahlbare Wohnungen mit Küchen, Bädern und Balkonen, in Häusern ohne Hinterhof und Seitenflügel, dafür mit Licht, Luft und Sonne.
Die qualitätsvolle Baukunst, die moderne Formensprache, die funktionalen Wohnungsgrundrisse und die städtebaulichen Figuren der Siedlungen lieferten international diskutierte und adaptierte Vorbilder für das ganze 20. Jahrhundert. Planung und Bau der Siedlungen markierten einen historischen Wendepunkt im Städtebau und Wohnungswesen, wie er nur unter den einmaligen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg möglich war.

Als Gegenmodell zur privatwirtschaftlichen Bauspekulation mit ihren Mietskasernen sollten sie eine neue Architektur für eine neue Stadt in einer neuen Gesellschaft verwirklichen. Ästhetische Vorstellungen der Avantgarde aus Kunst und Architektur verbanden sich dabei mit den sozialen Ideen der politischen Linken. Gewerkschaftliche, genossenschaftliche und städtische Baugesellschaften wurden zu den Trägern dieser gebauten Utopie. Die Wohnanlagen stellen einen neuen architektonischen Typus dar. Die modernen Siedlungsstrukturen hoben sich stark von den zeitgenössischen Mietskasernen ab und ermöglichten einen gesünderen, höheren Lebensstandard auch für die ärmeren Bevölkerungsschichten.
In der Folgezeit übten die Anlagen großen Einfluss auf die Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus und somit auf Architektur, Städtebau und Landschaftsgestaltung aus.

Wer verstehen will, warum sechs Wohnsiedlungen in Berlin – die älteste entstand am Ende des Kaiserreichs, die jüngste am Ende der Weimarer Republik – die Weihe des Welterbes erlangt haben, darf dabei nicht nur auf die Fassaden schauen. Es geht hier weniger um die Anerkennung kühner Bauästhetik, als um die Würdigung einer Idee, der Idee des genossenschaftlichen Wohnungsbaus. Nicht Geld zu machen mit Mieteinnahmen, sondern Wohnraum, Lebensraum für die vielen zu schaffen, die sich in den Hinterhöfen drängten, das war der Gedanke. Der sozialdemokratische Gedanke schlechthin.
Die älteste der Siedlungen, Bruno Tauts Gartenstadt, ist nicht zufällig aus bunten Häusern erbaut: Licht, Luft, Pflanzen, Farbe – Bedingungen des Glücks. In den Jahren der Weimarer Republik wurden die Siedlungen größer, städtischer, auch monumentaler. Aber immer hielten sie sich an den Gedanken eines durchgrünten städtischen Raums. Gleichzeitig bestimmten konsequente Funktionalität, Reihung, Sachlichkeit die Architektur des Neuen Bauens. So entstanden, vor allem in der „Weißen Stadt“ in Berlin Reinickendorf, Gebäudekomplexe von großer Überzeugungskraft und zeitloser Modernität.

Wer an Führungen / Stadtführungen / Architekturführungen interessiert ist, sollte sich unbedingt bei „Mann mit Hut Touren“ erkundigen.

Text: © Christian Fessel

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Vergangenheit (2015 bis 2020):
Christian Fesse
l als Fotograf und Regie-Kameramann nutzte die Info Station Siemensstadt als Produzentengalerie und Veranstaltungsraum und war deren Leiter. Ausgestellt wurden auf nun zwei Etagen sowohl eigene Arbeiten als auch die von Gastkünstlern.

Im Erdgeschoss fanden Veranstaltungen wie Lesungen, Performances, Konzerte, Vorträge und vieles weitere statt.

Gegenwart:
Regelmäßige Führungen durch das Welterbe, die Siemensstadt von Spandau, Charlottenburg-Nord, zur Industriekultur, zur Baukultur, zum Wohnungsbau und anderen, eher versteckten Orten Berlins (übrigens auch in London und Venedig) bietet Christian Fessel unter dem Namen „Mann mit Hut Touren“ an.

Architekturführungen und Stadtführungen für Laien und Fachleute vom langjährigen Leiter des Informationszentrums für das UNESCO-Weltkulturerbe „Siedlungen der Berliner Moderne – Großsiedlung Siemensstadt / Ringsiedlung Siemensstadt.
Zudem ist „Mann mit Hut Touren“ autorisiert, zum nahegelegenen und museal erhaltenen, ehemaligen Atelier von Hans Scharoun zu führen.

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