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Die Infostation

Die Infostation

Infostation-Tota

Wenn Sie die Infostation betreten, befinden Sie sich tatsächlich in einem Welterbe der UNESCO !

Als architektonischer Vorreiter im Wohnungsbau wurden sieben Siedlungen, verstreut über ganz Berlin, etwa zwischen 1920 und 1930 herum erbaut. Später gingen sie als "Berliner Moderne" in die Baugeschichte ein.
Besonders die Namen Hans Scharoun (er lebte selbst bis Mitte der 50er Jahre in der Siedlung) und Walter Gropius (mehr Bauhaus finden Sie nur in Dessau & Weimar) ziehen Besucher aus aller Welt an.
Im Jahre 2008 hat die UNESCO sechs dieser "Siedlungen der Berliner Moderne" zum Welterbe ernannt. Im Norden ist dies die "Großsiedlung Siemensstadt (Ringsiedlung)" - und zu dieser gehört die Infostation.

Der, so offiziell, "signifikante, eingeschossige Ladenbau" ist als einer von zwei Standorten als Treffpunkt bei Führungen, zum Bereitstellen von Informationsmaterial, sowie als Café ausgesucht worden.
Der ehemalige Laden befand sich 2008 jedoch in einem erbärmlichen Zustand. Erst im Jahre 2011 wurde die Sanierung abgeschlossen und er erstrahlt nun fast hundertprozentig wieder in der Form, wie ihn sein Architekt Fred Forbat im Jahre 1928 eröffnet hat. Der Name "Infostation" wurde geprägt.

Der Fotograf Christian Fessel nutzt das Erdgeschoss des imposanten Baus seit 2015 als Schauraum für großformatige Arbeiten. Nach dem Umbau des Untergeschosses in einen Galerieraum und der Eröffnung im Oktober 2015 etabliert er die Produzentengalerie "Infostation - Der Schauraum für Fotografie" in der Berliner Kunstszene.

Geschichtliche Rückblende

Der damalige Stadtbaudirektor Martin Wagner war der Vorreiter von vielen Bauten in Berlin. Bauten, die heute noch zu sehen sind, vor Allem aber Bauten, die bis heute Ihren Dienst versehen, die "nützlich" sind. Beispielhaft sei das Berliner Messegelände erwähnt. Seine große Zeit war während der Weimarer Republik. Eine Zeit des dramatischen Wandels in allen Bereichen. 1918, fast über Nacht wurde aus einer Monarchie eine Republik. Ein Sytemwechsel um 180 Grad, der auch nicht sonderlich geradlinig verlief. In den Folgejahren sollte das deutsche Volk seinen ökonomisch (bis heute?) tiefsten Fall erleben: Die Hyperinflation. Wenig später dann für kurze Zeit fast 100% Vollbeschäftigung. Die "swinging 20s" oder auch "Die goldenen 20er Jahre" genannt begannen. Fotografien aus dieser Zeit sind erhalten: Die Nachtclubs und Varietés, das leichte Leben, der Genuss. Der Film "Cabaret" machte Liza Minelli in der Rolle der Sally Bowles berühmt. Der Film spielt im Berlin dieser goldenen 20er. Vor Allem zeigt er die, nicht ganz so glamouröse, Realität.

Die sechs denkmalgeschützten Siedlungen repräsentieren einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und übten in der Folgezeit beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau aus. Zum Welterbe zählen diese sechs repräsentativen Wohnhaussiedlungen: Die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Großsiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Großsiedlung "Ringsiedlung" Siemensstadt. Die sechs Siedlungen entstanden in den Jahren 1913 bis 1934, zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Machtantritt der Nationalsozialisten.
Architekten der klassischen Moderne gaben auf höchstem Niveau eine städtebauliche und architektonische Antwort auf die Wohnungsfrage der Kaiserzeit: Rationell geschnittene, modern ausgestattete und bezahlbare Wohnungen mit Küchen, Bädern und Balkonen, in Häusern ohne Hinterhof und Seitenflügel, dafür mit Licht, Luft und Sonne.
Die qualitätsvolle Baukunst, die moderne Formensprache, die funktionalen Wohnungsgrundrisse und die städtebaulichen Figuren der Siedlungen lieferten international diskutierte und adaptierte Vorbilder für das ganze 20. Jahrhundert. Planung und Bau der Siedlungen markierten einen historischen Wendepunkt im Städtebau und Wohnungswesen, wie er nur unter den einmaligen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg möglich war.

Als Gegenmodell zur privatwirtschaftlichen Bauspekulation mit ihren Mietskasernen sollten sie eine neue Architektur für eine neue Stadt in einer neuen Gesellschaft verwirklichen. Ästhetische Vorstellungen der Avantgarde aus Kunst und Architektur verbanden sich dabei mit den sozialen Ideen der politischen Linken. Gewerkschaftliche, genossenschaftliche und städtische Baugesellschaften wurden zu den Trägern dieser gebauten Utopie. Die Wohnanlagen stellen einen neuen architektonischen Typus dar. Die modernen Siedlungsstrukturen hoben sich stark von den zeitgenössischen Mietskasernen ab und ermöglichten einen gesünderen, höheren Lebensstandard auch für die ärmeren Bevölkerungsschichten.
In der Folgezeit übten die Anlagen großen Einfluss auf die Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus und somit auf Architektur, Städtebau und Landschaftsgestaltung aus.

Wer verstehen will, warum sechs Wohnsiedlungen in Berlin - die älteste entstanden am Ende des Kaiserreichs, die jüngsten am Ende der Weimarer Republik - die Weihe des Welterbes erlangt haben, darf dabei nicht nur auf die Fassaden schauen. Es geht hier weniger um die Anerkennung kühner Bauästhetik, als um die Würdigung einer Idee, der Idee des genossenschaftlichen Wohnungsbaus. Nicht Geld zu machen mit Mieteinnahmen, sondern Wohnraum, Lebensraum für die vielen zu schaffen, die sich in den Hinterhöfen drängten, das war der Gedanke. Der sozialdemokratische Gedanke schlechthin.
Die älteste der Siedlungen, Bruno Tauts Gartenstadt, ist nicht zufällig aus bunten Häusern erbaut: Licht, Luft, Pflanzen, Farbe - Bedingungen des Glücks. In den Jahren der Weimarer Republik wurden die Siedlungen größer, städtischer, auch monumentaler. Aber immer hielten sie sich an den Gedanken eines durchgrünten städtischen Raums. Gleichzeitig bestimmten konsequente Funktionalität, Reihung, Sachlichkeit die Architektur des Neuen Bauens. So entstanden, vor allem in der "Weißen Stadt" in Berlin Reinickendorf, Gebäudekomplexe von großer Überzeugungskraft und zeitloser Modernität.

Wer an Führungen interessiert ist, sollte sich bei "Mann mit Hut Touren" (https://mannmithuttouren.de) erkundigen.

Heute

Besitzer der Siedlung und somit auch der Infostation ist die Deutsche Wohnen SE, "Christian Fessel Fotografie" der Betreiber.
Von Christian Fessel als "Mann mit Hut Touren" wird sie nun auch wieder verstärkt der Ursprungsidee als Informationsstelle für das UNESCO-Welterbe "Siedlungen der Berliner Moderne - Großsiedlung Siemensstadt (Ringsiedlung)" zugeführt.

Seit 2015 nutzt der Fotograf und Regie-Kameramann Christian Fessel die Infostation als Produzentengalerie "Schauraum für Fotografie". Ausgestellt werden auf nun zwei Etagen sowohl eigene Arbeiten, als auch die von Gastkünstlern.

Im Erdgeschoss finden ab und an verschiedene Events wie Lesungen, Performances, Konzerte, Vorträge und vieles weitere statt.
Die Räume sind ungewöhnlich gestaltet und in der Tat betreten Sie ja ein UNESCO Welterbe der Architektur von 1930 (saniert in 2011).
Etwa 120qm, verteilt auf Erd- und Untergeschoss, stehen als Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Regelmäßige Führungen durch das Welterbe, die Siemensstadt, Charlottenburg-Nord und anderen, eher vesteckten Orten Berlins bietet "Mann mit Hut Touren" an.
Zudem ist "Mann mt Hut Touren" einzig autorisiert, zum nahegelegenen und museal erhaltenen ehemaligen Atelier von Hans Scharoun zu führen.

Das Erdgeschoss kann für Workshops, Events, Tagungen, Lesungen, Feiern, als Foto-/Filmlocation und alles weitere Kreative angemietet werden. Mit dabei ist eine professionelle Caféhaus-Ausstattung, schnelles WLAN , versenkbare Leinwand und eine Toilettenanlage. Auf Wunsch steht ein abschließbares Backstage zur Verfügung.
Bei Interesse nehmen Sie einfach formlos Kontakt mit uns auf.

Bitte beachten Sie:
Die Infostation ist nicht komplett barrierefrei: Vor der Eingangstür befindet sich eine 13cm hohe Stufe. Das Untergeschoss und die Toiletten sind nur über eine Treppe (12 Stufen im Bogen) zugänglich.